Zeitraffer
Obwohl ich heute beruflich nur noch recht wenig mit Physik zu tun habe, so blicke
ich auf mein Physikstudium doch sehr gerne zur�ck und f�hle mich auch heute noch
als "richtiger Physiker".
Dabei bedeutet Physik f�r mich insbesondere Grundlagenforschung. Die angewandte
Physik ist mir hingegen recht fremd und ich neige sogar dazu, einige angewandte
Projekte nicht als "Wissenschaft" im strengen Sinn zu betrachten. Uns so mag es
dann auch nicht �berraschen, dass ich w�hrend meines Studiums an der
Universit�t G�ttingen
in erster Linie mit der
Elementarteilchen- / Hadronenphysik
befasst haben.
Im April 19xx bin ich Mitglied der Arbeitsgruppe
Arbeitsgruppe
Mittelenergiephysik von
Prof.
Dr. M. Schumacher (damals auch mit im Boot: Prof. Dr.
F. Smend) geworden, die sich insbesondere der Erforschung der statischen und dynamischen
Struktur der Hadronen
widmet. Hadronen sind dabei Teilchen, die aus Quarks und Gluonen
aufgebaut sind, also etwa Protonen, Neutronen oder Pionen.
In dieser Arbeitsgruppe habe ich
ich bis zum Abschluss meiner Promotion im Herbst 2001 mehrere gro�e Experimente
mitgestaltet, von denen ich die zwei wichtigsten an dieser Stelle etwas genauer erl�utern
m�chte.
Das LARA-Experiment
W�hrend meiner Diplomzeit hatte ich die Aufgabe, die gesamte
Monte-Carlo Simulation
des LARA-Experiments zu entwickeln und zu implementieren. Das LARA-Experiment ist
seinerzeit von den ehemaligen Doktoranden Dr. G. Galler und Dr. S. Wolf am Mainzer
Elektronenbeschleuniger MAMI
im Rahmen einer
internationalen Kollaboration
ausgef�hrt worden. Ziel des Experiments ist die
Vermessung der
elastischen
Comptonstreuung (Photon + Proton --> Photon + Proton).
Die Interpretation einer solchen Messung im Rahmen verschiedener theoretischer
Modellrechnungen erlaubt in Abschluss ein erheblich besseres Verst�ndnis der
elektromagnetischen Struktur des Protons.
Entgegen der ursr�nglichen Planung hat sie die Auswertung und Interpretation dieses
Experiments noch einige Jahre hingezogen. so dass ich auch w�hrend meiner
Promotionszeit fast t�glich mit LARA zu tun hatte. Sei es von Seiten des Auswertung
oder bei der Kommunikation der Ergebnisse in Ver�ffentlichungen oder auf
Konferenzen. Entsprechend f�hle ich mich diesem Projekt auch besonders eng verbunden.
Das SENECA-Experiment
Mein Promotionsexperiment --- das SENECA-Experiment --- baut physikalisch auf
dem LARA-Experiment auf und wurde von PD Dr. F. Wissmann koordiniert. Ohne
sein Engagement w�re SENECA sicher nicht zu realisieren gewesen.
Hauptziel des SENECA-Experiments ist die Bestimmung des elektromagnetischen
Polarisierbarkeiten des Neutrons. Und genauso lautet dann auch der Titel
der Dissertation von Dr. K. Kossert, der neben mit der zweite (d.h. eigentlich
der erste) der beteiligten Doktoranden gewesen ist.
Zum Bewertung des physikalischen Gehalts des SENECA-Experiments kann ich an
dieser Stelle heute noch nicht allzu viel sagen, da mir hierf�r bislang einfach der
zeitliche Abstand fehlt. Ausserdem ist die Interpretation und Kommunikation
der Ergebnisse noch nicht abgeschlossen. Ich denke aber, dass man SENECA
als sehr
erfolgreich bewerten darf und dass sich der Status der Experimentergebnisse
als einer der Eckpunkte kommender Modellrechnungen festigen wird.
Hadronenphysik: Quo Vadis?
Ein Blick auf die Errungenschaften der Hadronenphysik in den letzten Jahren zeigt
dieses Gebiet als sehr erfolgreich. Noch nie war das Wissen �ber die
Eigenschaften der Hadronen so hoch wie heute. Dies gilt insbesondere auch f�r
die Spinstruktur der Nukleonen.
Andererseits hat sich gezeigt, dass einfache Nukleonenmodelle, wie etwa das
MIT-Bag- oder das Konstituentenquarkmodell, die Realit�t nicht hinreichend
genau beschreiben k�nnen. Die Tatsache, dass heutige Modelle zum Teil deutlich
komplizierter sind ist ern�chternd. Dies liegt auch an der Struktur der
Quantenchromodynamik, die in diesen Energiebereichen nur �usserst schwer bis
gar nicht mathematisch zu handhaben ist.
Also Ausweg aus diesem Dilemma sehe ich zwei vielversprechende M�glichkeiten:
Neu mathematische Methoden und / oder LatticeQCD Rechnungen. Erstere sind nicht
in Sicht und eher unwahrscheinlich. Bleiben die Gitterrechnungen. Diese
erm�glichen mit enormen numerischen Aufwand ein Quark-Gluon-Plasma zu kondensieren
und so die "Entstehung" der Nukleonen zu beobachten. Dies k�nnte entscheidende
Hinweise auf die zu Grunde liegende Physik geben, die dann gezielt modelliert
und getestet werden k�nnte.
Aber das Sch�ne an der Physik ist ja, dass es zu diesem Punkt sicher auch andere
Meinungen gibt...
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